Die Spannung ist groß an diesem Tag, denn wir werden das erste Mal jede Menge Sand und eine Düne sehen. Nur leider fand das der Kadettl an diesem Tag nicht so spannend, so dass er am Morgen beim Starten ein paar Sperenzchen machte und erstmal trocken gelegt werden musste. Er lies sich doch noch überreden anzuspringen und es konnte losgehen. Wir hatten einen straffen Plan, denn alle haben sich nach 300 km an einer alten und auch letzten Tankstelle in Marokko getroffen.
Als alle eingetroffen waren ging es los und wir sind das erste Mal Karawane gefahren. Wenn man sich so überlegt dass man einen durchschnittlichen Abstand von 50 bis 100 m einhält, bringt es eine Autoreihe von 50 Autos auf 5 bis 10 km … das ist echt gewaltigt.
Als wir die Düne sahen waren wir auch schon am Etappenziel angekommen. Kaum waren die Autos geparkt ging es auch schon los zu unserer Erstbesteigung einer Düne. Man ist sich gar nicht bewusst wie hoch so ein Ding sein kann, von unten sah es eigentlich nicht so weit aus. Aber als wieder oben angekommen waren hatten wir einen super Blick über die weite Landschaft mit einigen weiteren Dünen.
Und was macht man wenn man auf einer Düne mit herrlich weichem Sand ist? Natürlich man spielt was das Zeug hält. Wir haben uns mit von der Dünenkante springen vergnügt. Andere hatten ein Snowboard dabei was kurzerhand in ein Sandboard umfunktioniert wurde. Es wurde auch versucht mit dem Arschrutschteil vorwärts zukommen, was allerdings nicht von erfolg gekrönt wurde. Und es gab sogar ein paar Crossgolfer, die ihre Bälle im Sand versenkt haben. Was man nicht alles so mitschleppt um die halbe Welt.
Den Abend haben wir bei Vollmond ausklingen lassen.
Auch an diesem Tag hatten wir noch einmal Pause. Grund war das Fitmachen der Autos für die Wüste. Es mussten Sandbleche untergeschweißt werden. Einige hatten, wie schon gesagt, dies schon in Deutschland erledigt, wir hatten unseres im Auto mitgenommen und vor Ort anbringen lassen. Die Arbeitstechniken sind wirklich abenteuerlich. Manche Autos wurden auf eine kleine Rampe gefahren, die aus zwei Stahlgestellen bestand. Bei uns waren die Rampen aber scheinbar aus und so wurde der Kadettl kurzerhand mit nem Wagenheber angehoben und dann wurde ein Betonklotz untergestellt, am Ende hing das Auto mit drei Rändern in der Luft und eins stand noch auf dem Boden und nur dieses eine Rad und der Botonklotz hielten es. Der Mechaniker ist dann unter das Auto gekrochen und hat Schrauben angeschweißt. Das Blech hat er gedengelt und die Löcher reingeschweißt, na ja und das alles ohne Schutzkleidung … ist ja klar. Am Ende haben wir 10€ und zwei kaputte Reifen für die Arbeit bezahlt, wobei das glaub ich auch schon recht viel ist, aber mit den Touristen kann man es ja machen und da dort zweimal im Jahr welche von uns aufschlagen ist das sicher ein gutes Geschäft.
Den Rest des Tages haben wir damit verbracht Vorräte einzukaufen und die Benzinkanister zu füllen. Am Ende hatte der Kadettl 80 Liter Benzin und 60 Liter Trinkwasser mehr zu schleppen.
Außerdem haben wir uns auch noch fit gemacht, für die Köpfe gab es Turbantücher (seit gespannt da gibt es sicher später noch ein Bild) und Peter hat sich ein Nachthemd … äh ich meine Beduinengewand gekauft (das Bild gibt’s gleich :o) auchandere Rallyeteilnehmer haben sich das ein oder andere zugelegt und das gab ein echt lustiges Bild wen die Beduinen an der Rallye mitmachten.
Am Abend gab es dann ein Lagerfeuer und Riesentagine, für mehrere Leute am Tisch. Die auch ruckzuck weg war. Einmal Licht an und schauen wo alles ist und dann wieder Licht an und sehen dass nur noch ein Schlachtfeld übrig geblieben ist … naja wir hatten alle Hunger.
Diese Etappe führt an der Küste entlang zur südlichsten Stadt in Marokko. Es sind sehr viele gerade Strassen zu fahren. Das Picknick an der Küste haben wir genossen.
Und da standen sie dann plötzlich auf der Strasse und scherten sich einen Dreck um die Autos … unsere ersten Kamele.
Ansonsten sind wir über Strassen gefahren, die von Sanddünen überhäuft waren und die Schaufelbagger, wie bei uns die Schneepflüge, den Sand wieder zurück in den Strassengraben beförderten. Außerdem gab es Strassen die wahnsinnig breit waren, fast wie eine vierspurige Autobahn nur ohne Markierungen, sehr eigenartig das. Wir nehmen ja an dass es sich um Landebahnen handelt. Die Westsahara ist ja kein eigenständiges Land, sondern gehört zu Marokko. Und Marokko und Mauretanien sind natürlich beide daran interessiert und so gibt es einige Militärstützpunkte entlang der Strecke.
An diesem Tag haben wir uns was Großes vorgenommen. Wir sind vor Sonnenaufgang um 6.15 Uhr aufgestanden und zu den Blauen Steinen gefahren um sie in ihrer vollen Pracht im Morgenlicht sehen zu können. Naja als wir dann da ankamen wo die Steine sein sollten wurde es zwar gerade hell, aber es war bewölkt, also nix mit schönem Sonnenaufgang in den Bergen. Zu allem Überfluss haben wir die Steine auch nicht gleich gefunden, da wir uns auch gar nicht vorstellen konnten wie sie aussehen und vor allem wie groß sie sind. Also irrten wir bestimmt ne Stunden durch die Gegend. Peter und ich wollten einfach nicht aufgeben, den Anderen wurde der Weg dann langsam schon zu weit und sie holten die Autos. Und nachdem wir ein ganzes Stück über die Felsen gelaufen sind und uns auch schon weit von der Strasse entfernt hatten langen sie plötzlich vor uns. Naja so spektakulär waren sie dann doch nicht. Warum sie blau sind? Ne das ist keine Laune der Natur. Die hat ein belgischer Maler mit ägyptischer Farbe angemalt. Warum er das gerade in dieser Einöde getan hat ist uns ein Rätsel. Wer eine Antwort darauf hat kann sie uns gerne mitteilen. Man kann sie auch bei GoogleEarth sehen.
Nach dieser Suche haben wir erstmal ein schönes Frühstück gemacht und auch noch ein paar andere Rallyeteilnehmer getroffen.
Dann haben wir den Antiatlas hinter uns gelassen und sind noch durch ein Gebiet gefahren dass durch seine wunderschön gefalteten Formationen ins Auge stach. Und inmitten dieses roten und kargen Gesteins lagen tiefgrüne Oasen aus Palmen.
Im Gebirge hat zum Glück das Wetter mitgespielt und wir sind trocken durchgekommen, aber als wir in die Westsahara einfuhren hat uns noch mal ein richtig böses Gewitter eingeholt, von anderen Teams haben wir gehört dass sie es zwar gesehen haben, aber nicht reingeraten sind. Es war auf jeden Fall so schlimm dass wir teilweise nicht mehr oder nur im Schritttempo fahren konnten. Aber das soll unser letzter Regen auf der Tour gewesen sein, ab da konnten wir das afrikanische Wetter genießen.
Der weitere Weg der Strecke führte uns an der Steilküste von Westafrika entlang. Das war schon sehr beeindruckend so am Rand langzufahren. Aber leider bot dieser Abschnitt sonst nix außer gerade Strassen.
Nach einer der zahlreichen Polizeikontrollen, die wir aber mit Hilfe unseres Fishes (von uns ausgefüllte Selbstauskünfte die wir jedem in die Hand drückten der was von uns wollte) immer gut passieren konnten, hatten wir dann noch unseren zweiten Platten, aber zum Glück ist der Reifen nicht geplatzt sondern hat einfach nur im Stand die Luft verloren, so dass ich auch beim Fahren nix gemerkt hatte.
Auch an diesem Tag kamen wir erst spät im Dunkeln an unserem Camp, einem Beduinencamp, an. Nur diesmal war die Fahrt in der Dunkelheit eine echte Qual, da die Strasse noch recht gut befahren war und uns sehr viele Lkws entgegenkamen. Das Team zwei Fragezeichen hat dann auch noch den Spiegel bei einer leichten Kollision verloren. Über Stock und Stein geht es dann noch ca. 7 km querfeldein zum Beduinencamp, der Weg nur durch ein paar winzige Leuchtsymbole markiert … da zweifelt man dann schon mal ob sich der richtige Weg noch vor einem befindet.
An diesem Morgen entflammte erst einmal die Diskussion welche Route wir fahren wollen. Dazu muss man sagen, dass wir bisher individuell gefahren sind. In Europa waren wir ganz allein und in Afrika haben wir uns mit den Bergerbrillen, B&B und den zwei Fragezeichen zusammengetan, einfach weil es mehr Spaß machte und es auch ein wenig Sicherheitsgefühl verlieh. Ansonsten ist die Rallye so gestaltet, dass dann ab Mauretanien alle 50 Teams in einer Kolonne zusammen gefahren sind, aus organisatorischen Gründen. In der Wüste hatten wir Führer und in Senegal dürfen paradoxerweise keine Autos eingeführt werden die älter als 5 Jahre sind und da das nun mal auf alle Fahrzeuge zutrifft wurden viel vom Zoll quer durchs Land begleitet, aber dazu später mehr. Zurück zu unserer Routendiskussion. Zur Wahl standen die offizielle Route am Meer lang und der Weg durchs Atlasgebirge und durch den Antiatlas. Für uns war schnell klar, dass wir die zweite Variante wählen, auch wenn wir den Tag zuvor schon einen Teil der Strecke gefahren sind. Also setzen wir uns in Bewegung und hatten Glück, denn wir hatten uns schon das letzte Mal verfahren und kannten nun den Weg, zumindest bis dahin wo wird schon waren. Über das Atlasgebirge haben wir uns gut gefunden, es gab ja nur eine Strecke. Zwischendurch haben wir immer mal wieder andere Teams getroffen, die den gleichen Weg gewählt haben, aber mit der Zeit zog sich das Feld ordentlich auseinander. Die Passstrasse ist ein wahrer Traum, die Aussicht ist herrlich, nur der Beifahrer muss ordentlich Schwindelfrei sein, da die Seitenbegrenzung der Strasse oft recht spärlich bis gar nicht ausgebaut war.
Als wir das Atlasgebirge überquert hatten war ein Tankstopp notwendig, da wir auf die Anzeige nicht mehr so recht vertrauen konnten oder wollten wurde der Tank aufgefüllt, da wir ja auch dachten das Berghochgefahre muss ja ordentlich was verschlungen haben, aber wir waren erstaunt als wir ausgerechnet hatten, dass der Kadettl nur 5,5 Liter auf 100 km verbraucht hat, was auch meiner Meinung nach der geringste Verbrauch auf der Strecke war. Mensch warum haben wir so ein Spritwunder nur abgegeben? Gut auf der südlichen Flanke des Gebirges konnten wir ja rollen lassen, aber trotzdem nicht schlecht. Im Großen und Ganzen haben wir auf der Tour auch weniger Sprit verbraucht als wir kalkuliert hatten, es müssen so 500 Liter gewesen sein.
Im Süden des Atlasgebirges liegt der Antiatlas parallel. Und er zeigte sich uns schon von weitem.
Im Atlasgebirge lag dann auch unser Ziel an diesem Tag. Die meisten der anderen Teams haben sich dann doch wieder auf den Weg zur Küste gemacht, aber wir wollten es wissen und sind dann noch im Dunkeln, was wir eigentlich vermeiden wollten, durch den Antiatlas gefahren. Oder sollte man lieber geirrt sagen? Die Straßenbeschilderung gab leider nicht allzu viel her und so sind wir einige Male falsch abgebogen. Ein Navi was uns den Weg vorsagt hatten wir nicht. Die Bergerbrillen hatten sich ein Luftbild in ihr GPS eingelesen und so konnten wir auf der Karte sehen wo wir waren und wo wir hinwollten. Und da entdeckten wir auf dem Luftbild auch eine „Strasse“ die sich dann als ausgetrocknetes Flussbett oder so was in der Art rausstellte. Tja wir hatten uns in Deutschland leider noch keinen Bodenschutz anbringen lassen, die Anderen schon und so krochen wir den Anderen über den Schotter hinterher.
Aber wir hatten Glück es gab kein Loch in der Ölwanne, nur das hintere Nummernschild hat sich gelockert und wir mussten es von seinen Qualen erlösen. So konnte es mit einer Strasse unter den Rädern weiter gehen und so haben wir dann auch noch ein Hotel im Zielort gefunden, ja ein HOTEL, es war spät und wir hatten eine kurze Nacht vor uns und so haben wir es uns mal gegönnt.
Es war eigentlich ein Ruhetag in Marrakesch angesagt, aber irgendwie hatten wir das Bedürfnis mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, als ob wir noch nicht genug gefahren wären oder noch genug Weg vor uns hätten. Also los geht’s mit den Bergerbrillen und Team B&B als Passagiere ins Atlasgebirge. Ziel waren die schneebedeckten Berge mit einfachen Dörfern zu ihren Füssen. Es ist echt Wahnsinn wenn man so aus der Ebenevon Marrakesch in Richtung der Berge fährt und sich dann Meter für Meter, über mehr oder weniger gute Strassen, schraubt.
Die Aussicht auf die Gipfel ist atemberaubend und das Geologenherz schlägt gleich viel höher.
Auf der Rückfahrt haben wir uns dann noch ne lecker Tangine gegöhnt … das kann man echt essen … das ist einem Topfgefäß geschmortes Gemüse und Fleisch und sehr schön durch.
Zurück in Marrakesch ist die Ruhe und Entspannung dann gleich wieder vorbei, weil wir uns noch in das Getümmel der Stadt begeben und den Platz der Geköpften besuchen. Da wird man von Händlern und Gastronomen belagert, ich versteh nicht, dass die nicht merken, dass man sich vielleicht viel eher mal was ansehen und kaufen würde wenn man mal ein wenig in Ruhe schauen könnte, also ich bin da kein Fan von. Es gab sehr viel Buntes und Exotisches zu sehen und es ist ja trotzdem irgendwie ganz was Besonderes.
Wieder raus aus dem Gewühle haben wir den Abend gemütlich auf dem Zeltplatz ausklingen lassen.
In Marokko haben wir uns vorgenommen nicht einfach nur durch Land zu rasen, sondern auch mal was anzuschauen. Deshalb war unser erstes Ziel die Ruinen von Lixus. Naja wir sind auf einen Hügel hochgeklettert um oben festzustellen dass der Wind und das Wetter sich wirklich nicht für eine Sightseeingtour eignen und haben bei Zeiten wieder das Weite gesucht.
Weiter südlich haben wir dann noch mit dem Team „Die Elbelche“ Rabat, die Hauptstadt Marokkos, besucht und waren von den blauweißen Gassen, in einem der älteren Teile Rabats, sehr beeindruckt und haben uns in einem Cafe süßes Gebäck und Pfefferminztee einverleibt.
Die Fahrt über Marokkos Strassen ist eigentlich recht entspannend, solange die Strassen gut ausgebaut und breit genug sind oder man nur am Tag unterwegs ist, nachts kann es dann schon mal recht unangenehm werden, weil die Leute scheinbar noch nie was von höheneinstellbaren Scheinwerfern gehört haben. Naja was solls, als wir in Marrakesch angekommen sind war es auch schon dunkel und der Zeltplatz sehr gut belegt, aber wir konnten uns dann doch noch in eine Ecke mit reinquetschen, was allerdings zur Folge hatte dass wir am nächsten Tag auf unserem Trip ins Atlasgebirge ein Pärchen als Passagiere dabei hatten, was echt mal eine nette Abwechslung war.
Im Hafen von Algeciras haben wir das erste Mal gemerkt was es heißt lange zu warten, aber auch das ist vorbeigegangen und wir haben uns die Zeit mit Leute kennen lernen vertrieben.
Endlich auf der Fähre angekommen und in See gestochen hatten wir irgendwie das Gefühl in die falsche Richtung zu fahren, denn das Wetter wollte auch in Richtung Afrika nicht besser werden.
Auch Tanger, unser Anlegepunkt in Marokko, hat uns nur in einem Einheitsgrau empfangen. Aber wer schaut schon aufs Wetter wenn man sich auf den echt miserablen Verkehr konzentrieren muss.
Die reichlich 2.300 km durch Frankreich und Spanien waren eher ein unangenehmes Muss um ans Ziel unserer Reise zu kommen. Das Wetter war sehr schlecht und die Unterkünfte … naja eben Formula-1-Hotels.
Erst in Spanien kam die Sonne mal kurz heraus …. Aber was soll man erwarten, es ist ja schließlich erst März gewesen.
Nach der letzen Möglichkeit auf europäischen Boden einzukaufen waren wir froh als wir endlich das erste Mal unser Zelt aufschlagen konnten, und zwar eine Nacht vor Afrika. Es wurde noch mal kräftig mit unseren neuen Freunden (B&B-Team & Team Zwei Fragezeichen) aus Dresden angestoßen und dann ins mollig warme Zelt mit großer Freude auf die Überfahrt.
In München treffen wir uns alle am Messegelände und es kann losgehen. Unterwegs treffen wir immermal wieder jemanden von der Rallye.
In Hohberg findet dann beim Gambia Afrika Hilfe e.V. noch eine Party stat. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind in der Turnhalle hinter Vorhängen auf einer Bühne, das nennt man dann eine Gruppenerfahrung :o)
Es geht los, wir starten individuell und fahren nach München, wo am Abend ein Charityevent stattfindet. Es sind noch nicht alle da, aber wir können schon die ersten Kontakte knüpfen. Die Autos werden für eine gute Faht gesegnet. Es spielt eine Band und stimmt uns auf Afrika ein.